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Wildbienen auf dem Weg ins Klassenzimmer

Eine plattformübergreifende mobile App um das Bewusstsein für Wildbienen zu schärfen

Projektfokus

Stellen Sie sich einen ganz normalen Morgen vor: Sie starten mit einer Tasse Kaffee in den Tag, schlüpfen in das bequeme Baumwollshirt und machen sich ein leckeres Müsli mit viel frischem Obst und Nüssen. Auf all das müssten Sie verzichten, gäbe es die kleinen wichtigen Helferlein – unsere Wildbienen- nicht. Über 550 verschiedene Wildbienenarten sind in Deutschland bekannt, von denen inzwischen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste stehen oder bereits ausgestorben sind. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind verheerend: Wildbienen zeichnen sich durch eine enorme Bestäubungsleistung aus, daher hängt die Vielfalt unseres Ökosystems maßgeblich von ihrer Arbeit ab. Dennoch sind die „wilden Schwestern“ unserer allseits bekannten Honigbiene in ihrer Vielfalt oftmals eher unbekannte Geschöpfe. Daher ist es von enormer Wichtigkeit, das gesellschaftliche Bewusstsein über die vielen Herausforderungen zu schärfen, vor denen diese kleinen Geschöpfe stehen.

In diesem Projekt entwickeln wir eine intelligente App für den Gebrauch im Klassenzimmer, die auf spielerische Weise die große Bedeutung der Wildbienen für unser Ökosystem aufzeigt. Unser Ziel ist es, eine plattformübergreifende mobile App zu entwickeln, um ein nachhaltiges Bewusstsein für den Schutz von Wildbienen zu schaffen. Die Anwendung beinhaltet aktuell sechs Level mit verschiedenen Minispielen, in denen Themen wie Biodiversität, Nistplätze, Ernährungsgewohnheiten oder Gegenspielerinnen im Fokus stehen. Diese knüpfen an Aktivitäten in der realen Welt an, die in Projektwerkstätten eingebettet sind und den Transfer der virtuellen Informationen in reales Umwelthandeln ermöglichen.

Die Anwendung beginnt mit einem Raster (4 x 3), das aus 11 verschiedenen Wildbienenarten- Charakteren und einem Honigbienencharakter besteht. Der Name jedes Charakters leitet sich aus dem lateinischen Namen der Art und umfasst sowohl männliche als auch weibliche Wildbienen. Der Designprozess unserer Charaktere für den ersten Prototyp – Mia, Terris, Mani, Coelia, Chilli und Hirti – ist bereits abgeschlossen, weitere Charaktere sind in Vorbereitung.

In einem Workshop mit Lehrkräften, Expert*innen für Wildbienenkunde sowie Mitgliedern des Projektteams haben wir bereits die Anforderungen an die App gesammelt. Aus der anschließenden Auswertung der Ergebnisse entstand eine spannende Geschichte. Sie beinhaltet verschiedene biologisch fundierte Charaktere, wie die Gartenwollbiene Mani oder die Mauerbiene Mia, die die Nutzer*innen bald auf eine Reise mitnehmen werden, auf der sie ihre Geheimnisse entdecken können. Aktuell sind wir dabei, unsere vielen Ideen in einen technisch umsetzbaren Rahmen zu übersetzen, um unseren ersten Prototyp umzusetzen. Dieser wird im Sommer 2022 in einer ersten Testphase seinen Weg in die Klassenzimmer einiger teilnehmenden Schulen finden. Gleichzeitig arbeitet das Projektteam bereits daran, die App in weiteren Sprachen einzusetzen und mit Mani und Mia neue Geschichten zu entdecken.

Gehörnte Mauerbiene - Osmia cornuta (Mia)
Gehörnte Mauerbiene - Osmia cornuta (Mia)
Mauerbienen sind eine der häufigsten Frühjahrswildbienen und werden mittlerweile gezielt gezüchtet für die Obstbefruchtung von Apfel und Kirsche. Sie sind bereits sehr früh im Jahr unterwegs und können bereits bei Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt fliegen. Sie sind Hohlstängelbrüter und ihr Körper hat zwei Farben: der vordere Teil ist schwarz, der hintere Teil ist orange-gold-farben.
Dunkle Erdhummel - Bombus terrestris (Terris)
Dunkle Erdhummel - Bombus terrestris (Terris)
Dunkle Erdhummeln gehören zu den häufigsten hier ansässigen Hummelarten. Sie sind am frühsten im Jahr unterwegs und zeichnen sich besonders durch ihre großes und lautes Erscheinungsbild aus. Dunkle Erdhummeln werden für den Bestäubungseinsatz von Tomaten gezüchtet und breiten sich aktuell gigantisch aus. Sie mögen offene Gänseblümchenblüten, so dass sie mit ihrer kurzen Zunge den Nektar erreichen können.
Hosenbiene - Dasypoda hirtipes (Hirti)
Hosenbiene - Dasypoda hirtipes (Hirti)
Ähnlich wie Hunde, graben Hosenbienen bis zu 50cm tiefe Gänge in den Boden um dort ihre Brutzellen anzulegen. Auf den Hinterbeinen tragen sie riesige Beinbürsten an denen sie immense Mengen an Pollen sammeln.
Holzbiene - Xylocopa violacea (Viola)
Holzbiene - Xylocopa violacea (Viola)
Holzbienen sind die größten unserer Wildbienen – mächtige, laute Brummer mit blauschwarzen Flügeln. Sie fressen sich selbst Gänge in Totholz, um Brutröhren anzulegen. Aufgrund des Klimawandels sind sie heute vor allem in Mitteldeutschland zu finden.
Maskenbiene - Hylaeus communis (Leus)
Maskenbiene - Hylaeus communis (Leus)
Maskenbienen sind eher unscheinbare schwarze Wildbienen. Die Männchen haben aber eine interessante Gesichtszeichnung (Maske). Diese „Masken“ sind in gelber oder weißer Farbe und einen großen gelben Fleck auf der Oberseite ihres Thorax. Maskenbienen haben glatte und fast unbehaarte Körper.
Blattschneiderbiene - Megachile centuncularis (Chilli)
Blattschneiderbiene - Megachile centuncularis (Chilli)
Blattschneiderbienen schneiden Blattstücke aus den Blättern der Kornelkirsche aus und tapezieren damit ihre Brutzellen aus. Die Pflanze enthält pilzhemmende Bestandteile, die verhindern, dass die Brut verpilzt oder austrocknet. Blattschneiderbienen tragen die Pollen nicht an den Hinterbeinen, sondern unter ihrem Hinterleib, der hellgelb bis tiefgolden erscheint.
Kuckuckwildbiene (Kegelbiene) - Coelioxys inermis (Coelio & Coelia)
Kuckuckwildbiene (Kegelbiene) - Coelioxys inermis (Coelio & Coelia)
Kegelbienen sehen genauso aus wie ihr Wirt; sie haben jedoch keine Beinbürsten zum Pollensammeln. Sie einen schwarz-weiß gestreiften Hinterleib haben, der bis zum Ende kegelförmig zuläuft.Sie haben auch einen festeren Chitinkörper, daher sind sie in Kämpfen überlegen. Sie parasitiert das Gelege indem sie die Blattpakete der Blattschneidebiene durchbohrt und somit die Eier in die Brutzelle legt.
Schneckenhausbiene - Osmia bicolor (Lor)
Schneckenhausbiene - Osmia bicolor (Lor)
Die Bienen legen ihre Eier in leere Schneckenhäuser der Schnirkelschnecken und bevorraten es mit jeweils einem Pollenpaket. Danach verschließt sie das Schneckenhaus mit Pflanzenbrei und dreht die Öffnung der Schnecke zum Boden. Dann tarnt sie das Scheckenhaus mit Moosstückchen. Als letzten Schritt sammeln sie Tannennadeln und stapeln diese über das Schneckenhaus, um es unsichtbar zu machen.
Gartenwollbiene - Anthidium manicatum (Mani & Manica)
Gartenwollbiene - Anthidium manicatum (Mani & Manica)
Männliche Gartenwollbienen patrouillieren über den Futterpflanzen Ziest, um das Weibchen begatten zu können. Alle konkurrierenden Insekten werden verjagt. Sie haben eine scharfe Stachelkante an ihrem Körperende, die sie den Störenden in den Leib rammen. Die weiblichen Gartenwollbienen sammeln Pflanzenfasern am Ziest (d.h. sie "rasieren" die Pflanze), um ihre Eikokons zu weben.
Schenkelbiene - Macropis europaea (Ropa)
Schenkelbiene - Macropis europaea (Ropa)
Die Gilbweidrich Schenkelbiene ist eine der wenigen Wildbienenarten, die Pollen und Öl sammeln, um ihre Brutzellen zu bevorraten. Sie sind Bodenbrüter und sammeln Nektar von verschiedenen Pflanzen. Beim Nektarsammeln spreizen sie charakteristischerweise ihre Hinterbeine.

Publikationen

Wissenschaftliche Arbeiten

Wirzberger, M., Bornemeier, J., Kampel, S., Álvarez Serrano, M. G., Ullmann, L., & Rey, G. D. (2021). Umwelt trifft App: Verbindung virtueller und realer Welten in der Bildung für nachhaltige Entwicklung – Kurzbericht. Umweltpsychologie, 1, 123–132.

Öffentlichkeitsarbeit

  • Alumni Newsletter an der Technischen Universität Chemnitz [LINK]
  • Presseartikel zum Weltbienentag 2021 [LINK] [LINK]
  • Poster beim LEAD Tag "Schule & Wissenschaft" [LINK]
  • Presseartikel zum Weltbienentag 2022 [LINK] [LINK]

Das BeeLife Team beim Tag der Wissenschaft 2022 an der Universität Stuttgart

Einblicke ins Projekt: Das BeeLife Team stellt sich vor

Quelle: YouTube
Video-Transkription

Kontakt

Dieses Bild zeigt Oliver Stock

Oliver Stock

M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "BeeLife"

Dieses Bild zeigt Adrian Stock

Adrian Stock

M.Sc.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Projekten "BeeLife" und "IKILeUS"

Dieses Bild zeigt Julia Mönch

Julia Mönch

B.A.

Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt "BeeLife"

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